Über den Vortrag
„Anpassungsintelligenz und Zukunftsmut – wie wir durch schwierige Zeiten kommen“
Warum Carl Naughton bei der Herbstakademie?
Carl Naughton ist ein Brückenbauer – zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Theorie und Leben. Zehn Jahre lang forschte und lehrte er an der Universität Köln im Bereich pädagogische Psychologie, bildete Lehrer:innen, Organisationsentwickler:innen und Personalverantwortliche aus. Doch sein Weg war nie nur akademisch. Als seine Mutter ihm riet, „auch mal was Vernünftiges“ zu lernen und Schauspieler zu werden, folgte er: Er spielte Sketche mit Harald Schmidt, wirkte in Vorabendserien mit und arbeitete sogar im Maggi-Kochstudio. „Ich war jung, brauchte das Geld – und was mir blieb, war die Freude, Wissenschaft so zu vermitteln, dass sie ankommt“, sagt er heute.
Sein Ansatz ist kein akademisches Elfenbeinturm-Denken, sondern praktische Intelligenz für den Alltag. Und genau das brauchen wir in einer Welt, die sich schneller verändert, als wir denken können.
Anpassungsintelligenz (AQ): Warum der IQ allein nicht mehr reicht
Naughton stellt eine provokante Frage: Reicht unser klassisches Verständnis von Intelligenz (IQ) noch aus? Seine Antwort: Nein. In einer Welt, die sich exponentiell wandelt, zählt etwas anderes – die Anpassungsintelligenz (AQ).
Das Problem mit dem IQ
Die Forschung zeigt deutlich: Der IQ sagt heute kaum noch voraus, wer im Beruf erfolgreich ist. Stattdessen brauchen wir die Fähigkeit, uns schnell an neue Herausforderungen anzupassen, Neues zu lernen und in Ungewissheit handlungsfähig zu bleiben.
Das I-Adept-Modell: Fünf Dimensionen der Anpassungsintelligenz
Naughtons I-Adept-Modell (Individual Adaptability) beschreibt fünf Schlüsselkompetenzen, die Menschen und Teams befähigen, in ungewissen Zeiten zu bestehen:
- Offenheit für Neues – Altes loslassen, Unbekanntes ausprobieren.
- Handlungsorientierung – Nicht endlos analysieren, sondern anfangen.
- Resilienz – Rückschläge als Teil des Prozesses begreifen.
- Lernagilität – Schnell aus Erfahrungen lernen und Wissen anwenden.
- Vertrauen in die eigene Wirksamkeit – Die Überzeugung: „Ich kann Einfluss nehmen – auch ohne alles zu kontrollieren.“
„AQ ist der IQ des 21. Jahrhunderts. Er sagt, wie gut wir uns in Ungewissheit orientieren und leistungsfähig bleiben.“
Der „RIC-Check“ für mehr Handlungsfähigkeit
Wie lässt sich AQ konkret stärken? Naughton stellt ein einfaches, aber wirkungsvolles Tool vor: der „RIC-Check“ (Ready, Important, Confident). Drei Fragen genügen, um die Erfolgsaussichten eines Projekts einzuschätzen:
Ready (Startklarheit) – Haben wir, was wir brauchen? (0–10)
Important (Bedeutung) – Ist es uns wirklich wichtig? (0–10)
Confident (Zuversicht) – Trauen wir uns zu, es zu schaffen? (0–10)
Regel: Nur wenn alle Werte bei mindestens 8 von 10 liegen, wird aus Absicht auch Tat.
Fehlt die Bedeutung, droht Kompetenz ohne Ergebnis.
Fehlt die Vorbereitung, droht Aktionismus („Donald-Trump-Effekt“).
„Erst bei 8/10 auf allen Ebenen werden Menschen proaktiv – selbst in ungewissen Zeiten.“
Zukunftsmut: Die Formel für Handeln in unsicheren Zeiten
Naughton prägt den Begriff „Zukunftsmut“ – eine Mischung aus Zuversicht, Zutrauen und Robustheit. Seine Forschung zeigt: Wer zu 75% bereit ist, kommt voran. Wer 100% Sicherheit will, bleibt stehen.
Die vier Dimensionen von Zukunftsmut
- Zuversicht („Way-Power“):
Der Glaube, dass es mehrere Wege zum Ziel gibt – und dass wir sie finden können.
- Zutrauen („Will-Power“):
Das Vertrauen, die notwendigen Fähigkeiten zu besitzen oder zu entwickeln.
- Robustheit:
Die Fähigkeit, sich neu zu orientieren, wenn ein Weg blockiert ist.
- Erlernter Optimismus:
Keine naive Positivität, sondern ein realistisches Erklärungsmuster für Erfolge und Misserfolge.
„Zukunftsmut ist kein Charakterzug – es ist eine Kompetenz, die man trainieren kann.“
WOOP: Vom Wunsch zur Tat
Naughtons Lieblingstool ist WOOP (Wish, Outcome, Obstacle, Plan) – eine Methode, die Träume in konkrete Schritte verwandelt:
- Wunsch („Was will ich wirklich?“)
- Ergebnis („Wie sieht Erfolg aus?“)
- Hindernis („Was könnte mich aufhalten?“)
- Plan („Wenn [Hindernis], dann [Lösung].“)
„WOOP verdoppelt die Erfolgschancen – weil es Hindernisse nicht ignoriert, sondern einplant.“